Ist schwul cool?

Immer wieder stolpere ich in letzter Zeit in „der Community“ gehäuft über Artikel, die sich mit dem Thema beschäftigen, ob es denn nun gut sei, „heterolike“ zu sein oder nicht. Innerhalb des Diskurses stören mich einige Dinge auf sehr vielfältigen Ebenen. Eine wirkliche Position kann und will ich nicht beziehen. Fangen wir aber mal bei dem Begriff „heterolike“ an.

Heterolike ist diskriminierend


Ich glaube, nichts ist im Kontext einer Schwulen-Community diskriminierender als der Begriff heterolike. Mal ehrlich! Man ist schwul. Punkt. Das ist genauso unsinnig wie die Nummer mit den vegetarischen Hamburgern. Aber dazu in einem späteren Artikel mehr.
Warum muss ich normativ einem vermeintlichen Ideal hinterher jagen, das mich selber auszugrenzen versucht? Die schwule Community wurde und wird durch die heterosexuelle Gesellschaft diskriminiert. Gerade in der Bundesrepublik dadurch, dass noch immer nicht, wie in den meisten anderen europäischen Ländern, eine komplette rechtliche Gleichstellung vollzogen ist. Warum – zum Fuchs – soll ich mich also heterolike benehmen?? Der Begriff ist also schon mal echt voll daneben.

heterolike = maskulin?  Ist das geil?

Nächster Punkt: Wenn es denn nur um den reinen optischen Geschmack geht, mag es ja sein, dass Jungs, die rüberkommen wie Heten, auf manche anziehender sind. Bleibt zu klären wieso. In einigen Blogs und Artikeln (bspw. http://www.viva.tv/blogs/outandproud/posts/89420-nein-es-ist-kein-kompliment-heterolike-zu-sein) ist zu lesen, dass es da um die eigene innere Homophobie geht, um unterdrückte Ängste, fehlende Ansprechpartner in der Jugend. Aha. Mag sein. Warum irgendwer auf irgendwen steht, warum ich auf blonde Jungs stehe, ist mir eigentlich schnulliwuck. Is halt so. Da mach ich auch keinen Lack draus. Manche Jungs stehen eben auf maskulinere Kerle, andere auf femininere. Who the fuck cares? Ich denke, dass da draußen genügend rumlaufen, es ist genug für alle da, bedient euch.

No Fats – No Asians – No Olds – No Fags

Bleibt noch die Sache mit der Diskriminierung zu klären. Die ist allerdings in der Szene ein riesiges Problem! Es ist mit Sicherheit falsch zu sagen, dass wir aufhören sollten, in unsere Dating-Profile zu schreiben, was wir mögen. Ich lese so oft, dass es diskriminierend sei, wenn man in sein Profil schreibt, dass man auf maskuline Typen steht, nicht auf Asiaten steht, nicht auf Alte und eben nicht auf dicke Typen. Wo ist das Problem? Das ist nunmal ein Geschmack. Ich weiß selber, der ich nunmal über der magischen 23 bin und somit jenseits des Jungbrunnengeschmacks der Szene, dass man keine guten Karten hat, wenn man nicht gerade Justin Bieber ist, aber über Geschmäcker muss man nicht diskutieren. Das hat auch nichts mit Diskriminierung zu tun. Jetzt kommt die Nummer mit oberflächlich. Natürlich ist das oberflächlich. Das unterscheidet uns aber überhaupt nicht von Heten. Auch die achten erstmal auf die Optik. Und schwupp – sind wir heterolike. Dann lernt man sich kennen und entscheidet dann, ob es passt. Und mal ehrlich: Die hübschesten Typen sind meisten die größten Vollpfosten. Aber das weiß man dann ja.

Solidarisiert euch!

Die eigentliche Diskriminierung liegt ganz woanders. Und da sind wir wieder bei heterolike. Ich finde es erschreckend, dass in der Community andersdenkende oder andersfühlende Menschen ausgeschlossen oder komisch beäugt werden! Die Queer-Community wird gerade in diesen Tagen von außen oft angefeindet, in einer Art und Weise, wie es sie seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat. Abgesehen davon, dass ich die Tendenz wirklich beunruhigend finde, sehe ich es als völlig absurd an, dass man sich in der Szene selber ausgrenzt. Da werden Transen blöd angemacht, eben weil sie sich in nen Fummel schmeißen, Jungs, die etwas femininer sind, von der „heteroliken“ Fraktion hinter vorgehaltener Hand ausgelacht. Alles, was von einer „schwulen Norm“ abweicht oder nicht mit einer eigenen hausgemachten Weltanschauung kongruiert, wird ausgegrenzt. Aber wer sind wir denn, dass wir ausgrenzen könnten?? Werden wir nicht selber dauernd ausgregrenzt? Müssen wir echt anfangen und innerhalb der eigenen Welt jetzt auch noch Grenzen ziehen? Das ist absurd!
Jeder von uns müsste wissen, wie es ist, mit einem Gefühl, einem Habitus auf die Welt zu kommen, den man nicht ändern kann und auch nicht ändern will, weil man auch seine Person, sein eigenes Selbst nicht verleugnen kann und will. Jeder sollte dieses Gefühl kennen. Wir sollten uns deshalb nicht anmaßen, über andere in der Community zu urteilen, sondern jeden aufnehmen, wie er ist. Oder sie. Oder sämtliche dazwischen befindlichen Stadien. Wir müssen uns nicht damit identifizieren, wir müssen nicht mit jedem ins Bett. Aber wir müssen jeden akzeptieren, wie er ist. Und ob wir uns dabei maskulin oder feminin fühlen, ist dann schnulliwuck.

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Ein Gedanke zu “Ist schwul cool?

  1. Pingback: Echt jetzt? DIN A Schwul?! | schnulliwuck

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