Quicky des Tages: Danksagungen

Eben eine Durchsage in der Bahn: „Beim Verlassen des Zuges achten Sie bitte darauf, dass Sie Ihre persönlichen Gegenstände mitnehmen. Vielen Dank!“ Warum bedankt der sich? Sollte ich mich nicht eher bedanken? Der kennt mich offenbar. Ich lass immer alles liegen. Ist ja nett von ihm, dass er mich erinnert. Als ich dann so da saß und verwirrt darüber nachdachte, wieso zum Fuchs der Typ auf dem Band sich bedankt, wenn er Leuten einen freundlichen Hinweis gibt, fiel mir auf, dass sich dauernd und inflationär bedankt wird. Eigentlich für so ziemlich alles. Es ist ja schön, höflich zu sein. Steh ich drauf und es erleichtert den Umgang mit Menschen.

Aber ist euch mal aufgefallen, dass Danksagungen dazu benutzt werden, uns Verbrauchern unangenehme Dinge möglichst schonen beizubringen? „Sie werden jetzt noch 3,5 Stunden in der Warteschleife hängen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.“Oder auch geil, diese Schilder am Ende einer Baustelle auf der Autobahn, nachdem du dich 48 km in sengender Hitze durch den Stau gekämpft hast. Du dehydrierst bereits, da du ja nicht wusstest, dass ein 48-km-Stau bevorsteht, dein Hund liegt schon schnappatmend auf dem Rücksitz, dein/e Partner/in heult dir auf dem Beifahrersitz die Ohren mit dem obligatorischen „Oh Mann, wann hört das endlich auf??“, als ob du das beeinflussen und als ob ein kontinuierliches Nörgeln dafür sorgen würde, dass sich der Stau schneller auflösen könnte, da siehst du dann das errettende Schild: „Hier baut für Sie das Land Bayern. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.“ Am liebsten würdest du anhalten, das Schild rausreißen, nach München zur Staatskanzlei fahren und den zuständigen Beamten das Ding quer fressen lassen. Nein, verdammt! Ich habe null Verständnis! Jedenfalls nicht dafür, dass mir Verständnis impliziert wird! Das ist immer wie blanker Hohn! Da wird sich für Verständnis bedankt, das ich in diesem Moment überhaupt nicht aufbringen möchte. Welche semantische Flitzpiepe hat sich das denn mal irgendwann ausgedacht? Als ob mich das milde stimmen würde, als ob mein Neurocortex sich so leicht austricksen lassen würde und mir sagt: „Hey, komm schon.. Der hat sich doch schon bedankt. Du musst ja also schon ordentlich was geleistet haben. Sei stolz auf dich!“ Und schon springt das Belohnungszentrum an, ich lehn mich entspannt zurück, steck mir ne Zigarette an und fühl mich gut, nachdem ich gerade vergeblich versucht habe, mich über meine Telekom-Rechnung zu beschweren und da jemanden an die Strippe zu kriegen.

Sollte ich aber nicht. Und man sollte sich auch mal über diese manipulative Erwartungshaltung Gedanken machen. Korrekt wäre es von einem Unternehmen einem Kunden gegenüber erst einmal dafür zu bitten, Verständnis aufzubringen, bevor man sich für eventuelle aufgebrachtes Verständnis bedankt! Alles andere ist höchst manipulativ und somit extrem fragwürdig. Will doch das Unternehmen mich als Kunden in der Gunst beeinflussen. Wir brauchen derzeit mehr als je Wahrheiten. Und das fängt nicht erst in der freien Wirtschaft an.

Also, Unternehmen, Politik, Verwaltung: Steckt euch eure Schilder und eure Danksagungen quer in euren Allerwertesten! BITTET um Verständnis und euch wird vielleicht mal zugehört. So geht es eigentlich mit allem. Ohne unbewusste Manipulation.

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