Der Witz im Witz

Aufreger des Tages:

Es wäre wirklich witzig, wäre es nicht schon so dramatisch. Ich muss an dieser Stelle ein riesen Lob an die #HoGeSatzbau aussprechen. Die befassen sich jeden Tag aufs Neue damit, den mehr oder minder begabten Wutbürgern die deutsche Sprache näherzubringen. Mehr minder als mehr mehr. Trotz Studiums der Germanistik, trotz Lehrbefähigung hätte ich nach gewisser Zeit resigniert. Auch mir fällt es zunehmend schwerer, die grammatikalischen Entgleisungen, neologistischen Auskotzungen und morphologischen Tastaturgeballerer zu ignorieren oder zumindest kopfschüttelnd zu ertragen, die sich mir tagtäglichen auf Facebook offenbaren; zunehmend und vor allem in einschlägigen Gruppen und/oder Threads, die sich mit Flüchtlingen und Themen der Migration beschäftigen. Es stellt sich mir nicht zum ersten Mal die Frage: Sollten nicht jene Menschen, die sich um den Erhalt einer deutschen Kultur, wie auch immer man die definieren mag, bemühen, sich zunächst um die rudimentären Errungenschaften einer solchen zu kümmern? Das ist die Sprache. Jenes Mittel, das zur Interaktion bestens geeignet ist. Und wir, das Volk der Dichter und Denker, sind doch besonders stolz auf unsere Sprache. Aber nein, was tun diese Volksdeppen? Sie vergewaltigen die arme Sprache, die schon so viel erleiden musste, mit ihren dreckigen EDV-Genitalien, wo immer sie können. Sprache macht eine Kultur nun tatsächlich aus. Sprache ist dazu da, Meinungen mitzuteilen, zu interagieren, zu demokratisieren, ein Volk, einen Staat zu gründen und zu erhalten. Der richtige und gute Gebrauch einer Sprache ist es dann, der dazu beiträgt, geniale Werke der Literatur zu schaffen, oder aber die Sprache zum Mittel zu benutzen, um den Staat weiterzubilden. So ging es seit der Antike – man beachte Werke von Aristoteles und Cicero über die Rhetorik und die Grammatik – bis über die deutschen Klassiker Goethe, Kleist, Schiller, Fontane, bis hin zur Politik und großen Rednern unserer Tage wie Brandt, Schmidt, Weizsäcker. Nehmen wir in direktem Vergleich dazu Carsten, der ein Foto kommentiert: „Dass schüttelt ja den Hund sammt Hütte und ich persönlich habe Glück das ich noch nicht gespeist habe !“ Ihm antwortet Gisela: „Diese Dumme Deutschen bekommen mehr elend“

So. Sagste nix mehr. Die Dichter und Denker würden in ihren Gräbern nur noch denken, dass sie es gegen so was abdichten müssen. Sehen wir uns das Geseiher mal an: Das Komma vor dem „und“, das die beiden Hauptsätze trennt, könnte man ja noch augenzwinkernd ignorieren. Da steht ja ein „und“. Hamma ja inner Schule gelernt. Vorm UND steht kein Komma, ne? Dies ignorierend schafft es Carsten noch immer auf vier Fehler in dem kurzen Stück Satz. Damit gehört er wohl zur Racist-Elite! (Übrigens: Den guten Rassisten erkennst du immer daran, dass er das Leerzeichen VOR dem Satzzeichen macht. Putzig, oder?) Mir sind schon Fälle begegnet, in denen es Spezialisten geschafft haben, sieben und mehr Fehler einzubauen. Die müssen sich dann aber richtig angestrengt haben. Ich nehme an, die machen da ein internes Battle. Die fordern die #HoGeSatzbau einfach nur heraus, damit die nicht arbeitslos werden. Lieb von denen eigentlich. Anders ist so etwas eigentlich nicht zu erklären. Ich finde keinen vernünftigen Ansatz.
Was aber Gisela da fabriziert, entzieht sich jetzt völlig meinem Horizont. Ich habe keinen Dunst, was die Frau einem mitteilen will. Falls die Hools das hier lesen: Vielleicht klärt ihr mich ja auf, ihr habt mehr Erfahrung darin, kristallkugelmäßig in den imaginären Neurocortex von solchen Leuten hineinzublicken.

Kommen wir aber jetzt mal zu dem Witz, den ich in der Überschrift angesprochen habe. Der liegt nämlich darin, dass es Organisationen, wie eben schon erwähnte Hooligans, mich oder auch andere Personen, gibt, die nicht müde werden, den offensichtlich sehr in ihrem betrübten Leben gefangenen Wutbürgern dabei zu helfen, wenigstens mit den basalen Regeln ihres deutschen Kulturgutes klarzukommen. Ich mach das nur nebenher, wenn ich eh schon irgendwas kommentiere oder mir Stoff für Schnulliwuck suche. Die Hooligans machen das professionell, was ich für professionell nobel erachte, die müssen professionell starke Nerven haben!
Das alles ist eigentlich nett gemeint. Man zeigt ja nicht mit dem Finger drauf und sagt: „Ha ha! Du bist ja n Vollpinsel! Du willst deutsch sein, schaffst es aber nicht mal, nen geraden deutschen Satz auszuspucken!“ Ok, ok, hab ich so auch schon gesagt, aber darum geht es gerade nicht. Es geht um eine gewisse Art von Konsequenz, die man erwartet, wenn man argumentiert. Allmählich beschleicht mich aber so die Ahnung, dass das so etwas wird, wie mit den Schimpansen, der Schreibmaschine und dem Shakespeare.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich die Menschen darauf hinweise, dass ich sie nicht verstünde, ob des Kauderwelschs, das sie da vor sich hin blubberten, dass sie sich eventuell vor dem Schreiben Gedanken machen möchten, was sie denn auszudrücken wünschten, meist in der für diese Bevölkerungsschicht eigene braune Weise freundlichst darauf aufmerksam gemacht werde, dass ich mir doch bitte dieses oder jenes Körperteil in diese oder jene Körperöffnung schieben möge. Meistens begleitet mit dem Wunsch dererseits, Beischlaf mit einem nahen Verwandten durchzuführen. Bei den seltenen zum Thema geäußerten Bemerkungen werde ich dann darauf hingewiesen, ich sei ja nur ein Gutmensch, dem die Argumente ausgingen und der dann nur auf der Sprache herumritte. Wenn jemand lesen könne, könne er das schon verstehen. Und da fängt der Witz im Witz an. Die Ratte beißt sich da in den eigenen Schwanz. Wir könnten jetzt ewig so weitermachen. Ich sage dann, dass das ja genau NICHT so ist. Ich verstehe das nämlich nicht, was eine Gisela meint, wenn sie sagt „Diese Dumme Deutschen bekommen mehr elend“. Auf dieser Basis können wir nicht diskutieren. Wir können nur reden, wenn wir eine gemeinsame Sprache sprechen. Konsequenterweise DEUTSCH. (Wäre ja cool, wenn wir uns eben auf das Deutsch verständigten, dass die so vehement verteidigen. Aber das nur mal so als Kicherer am Rande.) Wenn wir dann alle die gleiche Sprache sprechen, dann, ja dann können wir wieder über die Inhalte sprechen. Dann können wir toll diskutieren. Bis dahin, liebe braunen Scheißerchen, lernt eure scheiß Muttersprache! Dann können wir über alle Themen diskutieren – sogar sachlich – die euch interessieren. Flüchtlinge, Merkel absetzen, Negerküsse, Reichsbürger, wie bezahle ich meinen Pool von Hartz IV?, AfD for Reichstag, alles, was ihr wollt; aber lernt die Sprache! Ich sage denen also, sie sollen die Sprache lernen, die sagen mir, ich bin inhaltslos, weil ich nur sage, dass sie die Sprache lernen sollen. Ich kann aber gar nicht verstehen, was sie sagen, weil sie meine Sprache nicht sprechen. Mache ich sie darauf aufmerksam…….. Ihr versteht, was ich will? Andersrum wird es aber richtig witzig! Wenn ich mit Argumenten komme, dann bin ich verblendet, weil ich alles glaube, was in den Medien steht. Ich bin sogar vom Geheimdienst gekauft. (Aber das behandel ich gerade in einem anderen Artikel über Verschwörungstheorien. Stay tuned 😉 )

Eins noch zum Schluss: Ich habe zwar u.a. Germanistik studiert, und ich habe da einiges gelernt, das ich vorher noch nicht so wirklich wusste. Was ist eine Hypotaxe und der ganze weniger wichtige Putz, den man im Alltag jetzt nicht so braucht. Was ich aber schon als Kind konnte, war eine korrekte Orthografie. Warum? Weil meine Eltern und meine Familie darauf geachtet und mich korrigiert haben. Dafür bin ich heute dankbar. (Ganz am Rand: Ein Schulmodell, bei dem bis zur 4. Klasse nicht mehr auf Fehler hingewiesen wird, ist der größte Humbug, den sich Kultusminister*innen je ausgedacht haben! Die armen Kleinen könnten ja resignieren. Schwachsinn! Die armen Kleinen sind härter im Nehmen, als mancher denkt.) Und weil meine Eltern und meine Familie darauf geachtet haben, habe ich gelernt. Im Umkehrschluss sagt mir das doch: Irgendwas muss im Elternhaus bei euch kleinen braunen Häschen falsch gelaufen sein. Aber es ist nie zu spät, zu reflektieren und es besser zu machen. Korrigiert euch, korrigiert euer Deutsch. Es gibt tolle Literatur dazu! Ich empfehle Schulbücher für die Grundschule 🙂

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