Die Mär vom kleinen Brot, Teil 2 (emische Perspektive)

Als das kleine Brot sich in seiner Tüte umsah, entdeckte es, dass die Tüte durchsichtig war. Es konnte sich umsehen, es konnte die Brotkiste genauer betrachten. Der Boden der Brotkiste war bedeckt mit den Überresten unzähliger Generationen der Vergangenheit seiner Vorfahren. Ehrfürchtig blickte das kleine Brot auf die archäologischen Funde und gedachte seiner Ahnen und der Geschichte der Brote. Es wusste natürlich nichts über sie. Doch die Funde sprachen ja für sich. Es musste sich nur noch alles irgendwie zusammenreimen. Das klappt schon. Schließlich war es ja auch ein Brot. Brote wissen, wie Brote getickt haben. Egal, ob das jetzt Misch-, Weltmeister- oder Weißderkuckuckbrote waren. Jetzt gerade zählte nur, dass sie alle hier gewohnt hatten. Sie mussten ein zusammengehöriges Volk gewesen sein. Schön muss das gewesen sein! Und schon regte sich in dem kleinen Brot ein Gefühl, das es noch nicht kannte und nicht einzuordnen wusste. Es würde später darüber nachdenken. Jetzt galt es zunächst einmal, weiter zu forschen. Die Wände der Kiste näher zu betrachten, die ganze Welt zu erkunden!

Eines Tages, als das kleine Brot schon etwas reifer war, hatte es seine Erkundungszüge in der Brotkiste abgeschlossen. Es fühlte sich erschöpft, denn es hatte alles genau beobachtet, analysiert, unter die Lupe genommen, darüber nachgedacht und es war daran gewachsen.
Es war groß in seiner kleinen Welt, ja, es war das größte kleine Brot, das es kannte! Und es wollte, dass das auch jeder wusste. Also schrie es das auch hinaus. „Ich habe alles gesehen! Alle Wände, die ganze Tüte! Ihr könnt mir nichts mehr vormachen! Ich hab‘s voll geblickt, ich bin‘s halt!“

Würdest du jetzt zu dem kleinen Brot gehen und ihm sagen, dass gerade ein Fahrrad draußen an der Wohnung vorbeigefahren sei, so würde das kleine Brot nur abwinken und erwidern: „Ach, du spinnst doch! So etwas wie Fahrräder gibt es doch gar nicht. Du bist schon ein echt unintelligentes Wesen, dass du dir jeden Quatsch einreden lässt, werd mal erst erwachsen und lern denken. Ich hier, ich weiß alles, nimm dir ein Beispiel an mir! Ich habe schon alles gesehen.“

Du lächelst nur. Ist ja nur ein Brot. Da kann nicht viel passieren. Tja..

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G20 und das aufmüpfige Streifenhörnchen

Daaa könnt ich mich ja wieder aufregen 😀 Da motzt ein frustrierter Bulle in seiner kleinbürgerlichen, völlig eingeengten Weltsicht über das Establishment, bedient gängige populistische Klischées und Deutschland jubelt ohne mal einen Moment über Zusammenhänge nachzudenken. Ätzend! Der Brief ist völlig undifferenziert geschrieben. Der Mann versucht da eine gewisse Form der Dialektik und scheitert kläglich. Der vergleicht da Äpfel mit Birnen. Das ist so, als würde sich ein deutscher Bäcker darüber beklagen, dass irgendwo auf ner Südseeinsel mit irgendeinem Kartoffelbrei auf offener Flamme im Dreck gebacken wird. Der deutsche Bäcker hat null Ahnung, wie die Lebensumstände auf der Insel sind, was die für Gerätschaften brauchen, ob sie sie brauchen, welche Beschaffenheit die Rohprodukte haben, was sich die Bewohner leisten können, welche Sozialgesellschaften die haben, ob die überhaupt so viel Backwerk benötigen, etc. etc. Hauptsache, er regt sich erstmal auf. Genauso regt sich der Polizist über den Gipfel auf und mutmaßt mal einfach so prognostisch und unkt schon einem Kassandraruf gleich, dass der Gipfel eh nichts bringen und „keinen Konflikt der Welt entschärfen, keine Hungerkrise lösen und kein Heilmittel für eine tödliche Krankheit liefern wird“. So.. Was erwartet er denn bitte?? Merkel ist zwar Physikerin, aber ist es der Job von gewählten Staatschefs, sich hinzusetzen und den Job der Pharmaindustrie zu machen? Bitte.. 😀 Mal die Kirche im Dorf lassen..

Auch die Nummer mit der Hungerkrise ist echt nicht Sache der Politik! Das wird gerne immer wieder missverstanden. Mal kurz ausholen:

  1. Er beschwert sich darüber, dass die G20-Staatschefs sich da die Bäuche vollschlagen, während auf der Welt Hungerkrisen toben. Ok. Das erste lassen wir einfach mal kopfschüttelnd einen Moment so stehen. Dann überlegen wir: Was nützt es den Menschen in ärmeren Teilen der Erde, wenn das 20 und mehr Menschen sitzen und an einer Reiswaffel nagen würden? An EINER.. Nichts. Die hätten trotzdem noch Hunger. Jetzt könnten die bösen Politiker natürlich hingehen und die eingeplanten 50 Millionen – oder vielleicht werden es doch mehr – nehmen und sie an die Armen ihrer jeweiligen Länder verteilen. Brüder- (schwester-)lich. Wie viel mag dann jeder kriegen? 20, 30 Cent? Hoffentlich hauen die nicht alles direkt aufn Kopp für so nutzlosen Tinnef wie Essen, sondern sparen das, wie ein redlicher Deutscher.
    Die könnten auch einfach das ganze Essen einpacken und ein Care-Paket schnüren. Wie viel mag dann jeder von den homöopathisch dosierten Köstlichkeiten bekommen?
    Wir sehen, es bringt überhaupt nichts und es ändert überhaupt nichts an der Situation der Menschen, ob das Geld eingespart wird oder nicht, ob der Gipfel stattfindet oder nicht. Die 50 oder 100 Millionen sind im Angesicht der Armut der Welt Peanuts. Damit wird man nichts verändern. So grotesk sich das anhören mag. Und nein, es wäre kein Anfang, da kommt ja nichts nach. Nochmal: Es bringt nichts!
  2. Was glaubt dieser Polizist eigentlich, wer diese Staatschefs sind? Die sind garantiert mit nem goldenen Löffel im Mund geboren, duschen nur mit Goldwasser, kacken bestimmt Goldnuggets und leben im Luxus. Mag sein, dass das im Fall von Trump oder Putin tatsächlich so ist. Ich bin auch wirklich kein Fan von Merkel, aber wenn man sich das Privatleben von Mutti aus der Uckermark ansieht, ist das nun wirklich kein Luxus. Auch ihre Herkunft bei weitem nicht! Hat sich Mr. Uniform auch mal die Mühe gemacht die restlichen Teilnehmer anzusehen? Natürlich ist da Monsieur Macron. Aber auch die Staatschefs von Argentinien, Indonesien, Südafrika, Mexico, Indien.. Klar, alles Länder, von denen man jetzt richtig Protz und Pomp erwartet! Dann kommt der anonyme Polizist mit seiner putzigen Forderung an, falls noch Zeit wäre, könnten sie ja mal mit auf Streife kommen. Niedlich. Ich glaub, so einige Regierungschefs würden ihn auslachen, bei dem, was sie da zu sehen kriegten. Sie würden ihn wohl zu einem Gegenbesuch einladen, um ihn mal von seinen Luxusproblemchen wegzuholen.

Und da sind wir wieder beim eigentlichen Thema. Luxusprobleme. Wir sind in Deutschland, verkackte Scheiße! Der Mann ist Beamter! Und dann erzählt er so’n Stuss! Wir sind das einzige Land dieser teilnehmenden 19 – denn übrigens ist das 20. die EU und somit kein Land – das ein solches sichere System wie  das Beamtentum hat. Überhaupt sind wir das Land mit dem 4.-höchsten Bruttoinlandsprodukt der Welt! Der Lebensstandard hier ist enorm! Wir haben Kohle ohne Ende und wissen nicht mal, wohin damit 😀 So sehr, dass wir uns über so ne Scheiße aufregen müssen. Dass sich ein kleines, winziges Rädchen im System darüber beschwert, wie das System arbeitet, obwohl es offensichtlich keinen blassen Schimmer davon hat, wie diese Arbeit überhaupt funktioniert. Der Mann hat sich wohl noch nie mit Politik beschäftigt und weiß nicht, dass genau diese Gipfeltreffen die wichtigsten Treffen waren und sind, auf denen Geschichte geschrieben wird, auf denen die Friedensgespräche nach Weltkriegen geführt wurden, auf denen Gorbatschow den kalten Krieg beendet hat, auf denen Finanzkrisen beendet wurden, oder die große Ölkrise in den 70ern. Natürlich aber auch die neben den Gipfeln stattfindenden Jugend- und Frauengipfel. Aber nein, wir müssen einfach mal gehalt- und niveaulos motzen, weil wir in unserer kleinen Vorgartenwelt Überstunden und die allwöchentliche Nummer auf der Alten nicht oder ver-/schieben müssen. Super Idee! Einfach mal nachdenken oder im Zweifel die Fresse halten..

Apropos nachdenken: Wer, meinen er und der Rest der ach so echauffierten Wutbürger denn, hat die Macht in der Welt? Die Politiker da auf dem Gipfel? Garantiert nicht.. Die sind genauso die Räder im Getriebe, wie er, der sie beschützt. Nur, dass sie die Gesichter nach außen sind. Im Hintergrund arbeitet die Wirtschaft. Wie in jedem kapitalistischen Staatssystem – und ich stelle mich jetzt nicht als Antikapitalisten dar, ich find Kapitalismus toll, der hat mir Coca Cola und n Handy gebracht – wird der Staat durch die Wirtschaft finanziert. Je besser die Regulationen funktionieren, desto weniger Korruption kann passieren. Kann man genauer drüber nachdenken. Haben schon viele gemacht. Kann man bei Rousseau nachlesen. Und Marx, Keynes, Benjamin, Weber.. Empfehlenswert..

Die Wirtschaftsbosse dieser Welt sind diejenigen, die diktieren, wo’s lang geht. Solange wir uns dem unterwerfen, was wir konsumieren, wird sich auf der Welt nichts ändern. Die bezahlen übrigens auch die Politiker mit Lobbyismus. Ganz legal. Die wären auch befähigt, die Hungersnöte zu beenden. Liegt aber nicht in deren Interesse.

Also, liebes Streifenhörnchen, ich bin ganz bei dir und billige deinen schwachsinnigen Sermon in dem Moment, in dem du vor deiner eigenen Tür anfängst zu kehren. Nicht die anderen sind Schuld. DU gestaltest DEINE Gesellschaft! Fang an, die Wirtschaft anzupissen, dann hast du auch das Recht, rumzukacken. Denk alleine und hinterfrag die Dinge mal! Wenn das jeder macht, sieht die Welt anders aus. Um es mit Kant zu sagen: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

By the way: Es gibt echt genügend bessere Orte in Deutschland, als Hamburg City, um nen G20-Gipfel abzuhalten.

Wenn sich schon Journalisten auskotzen..

Heute Morgen las ich einen Beitrag im Focus online von Klaus Kelle, einem Kolumnisten, der wohl häufiger für den Focus schreibt. Er war mir bis dahin unbekannt. Er schrieb über den Anschlag in Nizza, der mich persönlich ziemlich mitgenommen hat, da ich mit der Stadt sehr verbunden bin. In seinem Artikel ging es aber weniger um den eigentlichen Anschlag, als um Terrorakte im Allgemeinen. Und wie man damit umgehen sollte. Seiner Meinung nach. Denn Klaus Kelle ist es leid, dass immer nur über „mutmaßliche Attentäter“ gesprochen wird, ihm ist es offenbar egal, ob ein rechtsstaatlicher Schuldspruch erfolgt oder nicht. Die Arbeit der investigativen Behörden stellt er hinten an. Er geht noch weiter. In einer für einen Journalisten sehr drastischen Fäkalsprache – und ich muss betonen, er schreibt für den Focus, nicht für Tante Emmas Wald- und Wiesenblättchen – stellt er klar, dass in den Zentren der europäischen Union bekannte Terroristen lebten. Diese würden rund um die Uhr überwacht. Er fragt danach, warum eigentlich und fordert, dass die Gesellschaft den Mut aufbringen müsse, diejenigen, die Verbrechen planten auszuweisen. „Raus! Raus! Raus!“, schreit er. Weiterlesen

PR oder Humanität? Oder beides? Oder keines?

Ich staunte nicht schlecht, als ich heute gegen halb zehn aus meinem Küchenfenster sah. Ich wohne gegenüber eines Altersheims, muss ich dazu sagen. Da ist immer was los. Ernsthaft. Sind schon lustige Leutchen dabei, die bald mal einen eigenen Artikel wert sind. Aber heute bildete sich um den üblichen grauen Pulk mit Rollstühlen herum, der mächtiger war als sonst, noch zusätzlich eine diffuse rotgekleidete Horde. Ich dachte im ersten Moment an eine kollektive Organspendeaktion des DRK, sah dann aber ein Sparkassenlogo fett auf den Rücken der teilweise unbeholfen agierenden Rollstuhlführer prangen. Hmm.. Werden jetzt schon reihenweise die Leute zu einem Girokonto gezwungen? Quasi abgeholt und mit dem AOK-Shopper zum Schalter und zur Unterschrift gebracht, um den letzten Sparstrumpf aus dem Katheter zu leiern?

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Aufreger-Quicky des Tages: Grünversiffte Genderpolitik!

Da twitterte am Mittwochmorgen die baden-württembergische Landesregierung, dass der erste Koalitionsvertrag auf Länderebene zwischen den Grünen und der CDU stünde und ein „demokratisches Reifezeugnis“ sei. Weiter war von „guten Demokrat*innen“ in der Meldung die Rede. So weit so gut. Letzteres war aber Grund genug für Steffen Bilger, sich darüber aufzuregen, denn er twitterte, dass die Landesregierung diese „grüne Schreibweise“ doch zu unterlassen habe. Aha. Wer isn Steffen Bilger überhaupt? Ein Blick zu Wikipedia sagt: Niemand. Bundestagsabgeordneter, der Gelder frisst, von dem aber niemand je was gehört hat. Irgendjemand scheint ihn aber gewählt zu haben.

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Kritik ja – aber nur wenn sie angebracht und konform ist

Es ist schon erstaunlich, wie schnell mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn in Deutschland der Faktor „Minderheit“ ins Spiel gebracht wird. Ich weiß das, denn ich gehöre zu einer Minderheit. Und als Mitglied einer solchen begebe ich mit tagtäglich auf einen Spießroutenlauf. Ich lese in den sozialen Medien, wie meine Minderheit zunehmend diskriminiert wird, wie Mitglieder aufgrund ihrer bloßen Zugehörigkeit weltweit überfallen oder exekutiert werden. Stell DU – lieber Leser – dir bitte mal für einen Augenblick vor, dass du dein Leben, wie du es gerade führst, nicht mehr weiterleben kannst. Du wirst gezwungen, es zu konformieren, es so zu leben, wie es eine vermeintliche Mehrheit der Gesellschaft erwartet. Du darfst plötzlich deinen Alltag nicht mehr so gestalten, wie du ihn möchtest, du darfst nicht mehr lieben, wen du möchtest, du darfst nicht mehr die Kleidung tragen, die du möchtest. Und nur, weil vielleicht die Menschen, die um dich herum leben, die überhaupt nichts mit dir und deinem Leben zu tun haben, deren Namen du nicht mal kennst, die nicht mal deinen Namen kennen, weil diese Menschen nicht wollen, dass du bist, wie du bist. Das ist absurd! Aber genau das ist es, was derzeit in Deutschland passiert. Jeden Tag!

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